Geld und Talent allein verhilft nicht zum Titel bei den LoL-Worlds

Die League of Legends Championship Series (LCS) steht massiv in der Kritik. Zum zweiten Mal in Folge ist es keinem nordamerikanischen Team gelungen, in die Playoffs der Worlds einzuziehen. Obwohl die Profis laut Medienberichten ein Durchschnittsgehalt von 400.000 US-Dollar erhalten, ist die spielerische Armut im Vergleich zur LPL und LCK erkennbar.

Team SoloMid hat bei der World Championship Geschichte geschrieben. Als erster amtierender Meister der vier großen LoL-Regionen verlor das Team alle sechs Gruppenspiele. Und auch bei Team Liquid und FlyQuest lief es zu Beginn außerordentlich schlecht.

Nach den ersten sechs Gruppenspielen der Worlds mussten die NA-Teams fünf Niederlagen hinnehmen. Nur FlyQuest gelang bis dahin ein Sieg gegen die Unicorns of Love. Keine zufriedenstellende Leistung für die hohen Ansprüche der Region. Zwar konnte kein NA-Team bisher die Worlds gewinnen, aber 2017 schaffte Cloud9 die Halbfinal-Teilnahme. Nun scheiterten die nordamerikanischen Teams bereits das zweite Mal hintereinander in der Gruppenphase.

In der Gruppe C ging es für TSM gegen Vertreter der anderen drei großen Regionen – Gen.G, Fnatic und LGD Gaming. Trotz ihrer eigenen Ambitionen als LCS-Meister verloren Yiliang “Doublelift” Peng und Co. die Partien meist sang- und klanglos. Mid-Laner Søren “Bjergsen” Bjerg gab seine Enttäuschung zum historischen Negativergebnis mit einem Wort auf Twitter preis: “Peinlich.”

Die Kritik hat nicht lange auf sich warten lassen. Von hochbezahlten Spielern mit wenig Qualität ist weiterhin die Rede. Derzeit soll das Durchschnittsgehalt in Nordamerika bei 400.000 US-Dollar liegen. Trotzdem können selbst Veteranen keine Akzente zum Erfolg bei Weltmeisterschaften setzen. ESPN-Journalist Tyler Erzberger fordert derweil eine bessere Entwicklung von jungen Spielern, die vor allem hinter den Kulissen der Esport-Matches vorangetrieben werden müsse.

Amerikanische Talentförderung hinkt hinterher

Laut Erzberger sollen mehr Schüler und Academy-Teams die Chance bekommen, das Spiel auf höchstem Niveau spielen zu können. Denn die Anschlussförderung in Nordamerika ist das bislang größte Problem und hinkt dem System in Europa hinterher. Dort werden junge Talente deutlich organisierter und auch zentral über Ligen von Riot Games gefördert.

Fairerweise bleibt zu erwähnen, dass beispielsweise die Spieler in der europäischen LEC ebenfalls gut bezahlt werden und von ihren Einnahmen leben können. Aktuell beläuft sich das festgelegte Mindestgehalt für jeden Spieler auf 60.000 Euro pro Jahr. Topspieler in Europa dürften wie auch in den USA deutlich über diesem Betrag verdienen.

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Jedoch bleibt die Frage, warum zum zweiten Mal in Folge kein NA-Team im Worlds-Viertelfinale steht, während die Teams aus China, Korea und Europa erneut den Titel unter sich ausmachen. Die Antwort liegt in der erfolgreichen Integration von jungen Talenten.

Vorreiter der europäischen Talent-Förderung ist die Prime League aus Deutschland, die vom Profi-Betrieb bis hin zu Amateurligen unterteilt ist. Mehrere Rookies wie der deutsche Supporter Norman “Kaiser” Kaiser haben über diese regionalen Ligen bereits den Anschluss in der LEC gefunden. Zudem hat sich der 20-Jährige Fnatic-Jungler Oskar “Selfmade” Boderek innerhalb von zwei Jahren zu einem Topspieler entwickelt.

Integrierte Talente sind allerdings Mangelware in der LCS. Lediglich der 20 Jahre alte Edward “Tactical” Ra ist hervorzuheben, der für Team Liquid auf der Bot-Lane spielt. Oftmals werden erfahrene Import-Spieler aus Südkorea oder Europa verpflichtet, um eine schnellere Chance auf Erfolg zu ermöglichen. Auch dieser Schritt geht zu Lasten der Anschlussförderung.

Vorwurf: Profis verweigern Scrims gegen Academy-Teams

Weniger Imports und mehr Wildcards sind gefragt. In den USA fehlen den Newcomern zudem die Chancen, auf sich aufmerksam machen zu können. Der englische LCK-Caster Nick “LS” De Cesare spricht über undiszipliniertes Verhalten von Profis bis hin zur Verweigerung von Scrims gegen Academy-Teams. Denn die Angst spiele mit, dass die Profis bei Niederlagen gegen die Talente ihre Stammplätze verlieren könnten.

Aus der Sicht zahlreicher Kommentare auf Twitter sollten die Organisationen davon ablassen, ausgediente Spieler und Söldner weiterhin zu vermarkten. Teilweise erscheint es, als ob das Marketing mehr priorisiert werde als der Wille zum sportlichen Sieg auf der großen Bühne.

FlyQuest und Team Liquid schmälern die Schmach

Zurück zum Sportlichen: Ein Lichtblick bei den Worlds gelang zumindest dem LCS-Vizemeister FlyQuest. Mit ihrem deutschen Mid-Laner Tristan “PowerOfEvil” Schrage gelang sogar der sensationelle Sieg gegen den Titelfavoriten Top Esports aus China.

Der Sieg im vorletzten Triumph kam allerdings zu spät für FlyQuest. Denn nach der vorangegangenen Niederlage gegen den LCK-Zweiten DRX standen die beiden asiatischen Vertreter bereits sicher als Playoff-Teilnehmer fest. FlyQuest erledigte die Pflichtaufgaben gegen die Unicorns of Love und zeigte mit einem 3:3-Ergebnis eine gute Leistung in der Gruppe D. Ein zusätzlicher Erfolg gegen DRX wäre jedoch nötig gewesen, um die große Überraschung perfekt zu machen.

Chancen auf die Playoffs hatte auch Team Liquid in der Gruppe A. Doch das Lineup um den ehemaligen Fnatic-Jungler Mads “Broxah” Brock-Pedersen erwischte einen schwachen Start mit einer Niederlage gegen den sonst sieglosen PCS-Vertreter Machi Esports. Obwohl sich TL später revanchierte und auch jeweils einmal gegen LEC-Rekordmeister G2 Esports und dem LPL-Dritten Suning gewann, reichte das 3:3 nicht mehr zum Weiterkommen.

Der Titelkampf der Worlds wird erneut ausschließlich mit Teams aus China, Südkorea und Europa entschieden. Für die amerikanischen Teams muss nach den zweiten Worlds ohne Playoff-Teilnehmer ein Umdenken erfolgen. Insofern die Organisationen keine Schritte einleiten, um sich breiter aufzustellen und mit den zum Karrierebeginn vergleichsweise günstigeren jungen Talenten zu verstärken, wird das Bild von teuren aber erfolglosen Spielern bleiben.

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Bildquelle: Yicun Liu/Riot Games


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